• Ann-Carolin

Warum ich mich ungern Coach nenne und die Frage nach meinem Beruf mich nervös macht

"Wenn für dein Einkommen gesorgt wäre und du nicht für's Geld verdienen arbeiten müsstest, was würdest du tun?"

fragt mich neulich ein Kunde und schaut mich erwartungsvoll an.


"Ich würde genau das tun, was ich jetzt tue, nur noch größer.

Vielleicht ein Zentrum aufbauen, so ein Heilungsbiotop für Menschen und Unternehmen."

antwortete ich ohne zu zögern.


Ist auch wirklich so, ich bin endlich an dem Punkt in meinem Leben angekommen,

an dem ich vollumfänglich liebe, was ich tue.


Nach jeder Session, ganz gleich ob am Telefon, per Skype oder persönlich

in Berlin, fühle ich mich wie energetisiert.

Auch wenn das vor der Session nicht immer der Fall ist.

Ich bekomme sehr viel zurück.



Nur was ich genau tue, anderen zu beschreiben, fällt mir total schwer.

Diese 0815 Frage beim Kennenlernen, wie ich sie hasse.


"Und, was machst du so beruflich?" Sofort klopft mein Herz ganz doll, so dass ich Angst habe, dass man es mir an der Kehle schon ansieht. Atmen. Ruhig bleiben. Ist nur eine normale Frage.

Doch sie bringt mich immer in Verlegenheit.

Erstmal ist das nicht "mein Beruf".

Es bin eben ich.

Tatsinn ist meine Firma und ich empfinde keine großen Unterschiede mehr zwischen "arbeiten" und "nicht arbeiten".

Klar, es gibt Unterschiede zwischen bezahlter Arbeit und unbezahlter Arbeit bei mir.


Nicht jede Begleitung, nicht jeder Impuls, schon gar nicht die Blogbeiträge oder Social-Media Aktivitäten werden bezahlt. Das mache ich "einfach so". Und ein bisschen auch, damit neue Menschen auf mich aufmerksam werden und den Mut haben, mit mir zu wachsen.

Aber zurück zur Frage.


Die einfache Antwort wäre "Ich bin Coach & Consultant".

Schublade auf, Ann-Carolin rein, Schublade wieder zu.


In Situationen, in denen es meinem Gegenüber nur um eine schnelle Einordnung geht, sage ich das.

Also auf amtlichen Fragebögen und so.

Oder ich bleibe noch oberflächlicher und gebe an, selbstständig zu sein.


Doch dann kommen sie, diese Nachfragen.

"Ah spannend, so Business Coach oder Life-Coach. Heute kann sich ja jede*r Coach nennen, wie genau arbeitest du?"


Weißt du jetzt, warum ich mich schwer tue?


Mein Arbeitsfeld ist verbrannt durch viele, die gerade merken, dass man mit Coaching Geld verdienen kann und viele, die einem anpreisen, innerhalb weniger Monate fünfstellig als Coach zu verdienen.

Würg.

Und dann gibt's eben noch nicht so eine Selbstverständlichkeit für diesen Beruf wie im

nordamerikanischen Raum. Hier in Deutschland bist du erstmal eins, wenn du Coach bist.

Suspekt.

Und du darfst die meisten Menschen vom Gegenteil überzeugen. Selbst bei Menschen die mir näher stehen, hab ich oft das Gefühl, mich erstmal beweisen zu müssen. Zu zeigen, dass ich nicht "eine von denen" bin. Anders bin.



Also versuche ich es mal so zu erklären:

Ich helfe Menschen, in sich zu wachsen. Ihre Persönlichkeit entwickeln zu können. Sie entdecken in der Arbeit mit mir, dass sie auch neu über sich und ihre Umwelt denken können. Ich begleite sie bei Herausforderungen, spreche mit ihnen und bin manchmal auch einfach nur für sie da.

Das klingt nicht so handfest, wie gewöhnliche Berufsbezeichnungen, ich weiß. Noch komplizierter wird's wenn man dann in den Businessbereich schaut:


Ich helfe Führungskräften telefonisch bei jeder Art von Problem und Herausforderung. Von persönlicher Überforderung und Mutlosigkeit bis zur strategischen Ausrichtung des nächsten Jahres. Wenn du so willst, bin ich eine ganzheitliche Business-Therapeutin.

Meine Beschreibungen verändern sich wie die Jahreszeiten.

So richtig fassen kann ich nicht, was ich für die bin, die mit mir arbeiten.


Ich habe schon schöne Worte geschenkt bekommen wie "Resonanzkörper"

oder auch im geschäftlichen Kontext "Übersetzerin".


"Trekking Guide" finde ich auch schön. Ich begleite Menschen bei einer Reise, habe im Rucksack ein

paar Fragen, Tools und Impulse und mache während der Reise auf schöne Dinge aufmerksam, die man am Wegesrand übersehen würde. Ich gebe Sicherheit und Orientierung.


Ich war oft die, die Klarheit und Perspektivwechsel gebracht hat.

Nur eine griffige Berufsbezeichnung für so etwas fällt mir schwer.

Hast du eine gute Idee?

Dann schreib mich an und poste es in die Kommentare!

Ich bin dir wirklich dankbar.

Echt jetzt.


Früher habe ich mich einfach hinter einem Firmennamen und einer Funktion verstecken können.

Es war leicht zuzuordnen, was ich tue und die Menschen haben nicht so viel nachgefragt, weil die Schublade schnell befüllt wurde. Damit habe ich mir leichter getan.



Heute weiß ich, dass das, was ich mache, nicht mit ein oder zwei Sätzen zu beschreiben ist.

Man muss es erlebt haben.

Und es ist jedes Mal anders.


Mit manchen Menschen, die ich begleiten darf, geht's pragmatisch und strategisch zu, wir stehen am Flipchart und planen oder schreiben wichtige E-Mails und Reden gemeinsam.


Mit anderen Menschen liege ich auf dem Boden und mache Traumreisen, räuchere Salbei und spreche über Seelenpläne.


Und wieder andere halte ich einfach nur, höre ihnen zu und bin bei ihnen im Schmerz.


Ich habe keine Techniken, ich bin einfach nur Mensch. Ich nutze keine Strategien, sondern lasse mich immer wieder neu ein. Ich bin selbst im Wachstum und helfe anderen, zu wachsen.

Und ich möchte nichts anderes mehr machen.


Es fühlt sich toll an, dass mir andere Menschen so vertrauen und sich wirklich öffnen, um zu wachsen.


Es ist ein großes Privileg, selbstständig zu sein und meine Arbeit von Grund auf gestalten zu können.


Ich nehme mir für dieses Jahr vor, dass das Herzklopfen weniger wird

und ich mehr reinwachse in das, was ich mache.

Es selbstsicher nach außen zu vertreten.

Mich zu vertreten.

Und mit TATSINN voranzugehen.



Danke, dass du dir die Zeit genommen hast, diese Zeilen zu lesen.

Bedeutet mir viel.


Alles (ist) Liebe


Ann-Carolin



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