• Ann-Carolin

Co-Creation - ist es möglich ohne Ego gemeinsame Visionen zu verwirklichen? Deine Inner-Work-Tipps


Unter allen Modewörtern, die in der Arbeitswelt gerade so rumschwirren, kam neben Design Thinking, Agile Coaches, New Work eben auch dieses Co-Creation immer wieder auf.

Nun gibt es Menschen, die das einfach als einen hippen neuen Begriff für Zusammenarbeit benutzen.

Joa, kann man machen, ist dann aber halt falsch. Oder zumindest nicht die ganze Wahrheit.


Co-Creation ist so viel mehr und ich habe erst den kleinen Zeh in dieses große, neue Gewässer gesteckt.

In meiner 1,5jährigen Ausbildung zum Integralen Life Coach bin ich gerade bei der Hälfte angekommen, als dieses Thema mich gepackt hat.


Die wichtigsten meiner aktuellen Erkenntnisse aus meiner Ausbildung bei Veit Lindau teile ich mit dir im TATSINN Blog.

Ich habe vor Co-Creation in den kommenden Monaten an Teams zu testen und dann vielleicht irgendwann auch anzubieten, das in Organisationen zu bringen.

Da es eine Art Brücke von Wirtschaft und Spiritualität für mich darstellt, versuche ich heute vor allem auf die Inner-Work Tipps einzugehen. Also was braucht's von dir selbst, um co-creativ zu werden.


Etwas neues entsteht - warum es nicht mehr geht wie ich es bisher kannte


Ich habe schon ne Menge neuer Firmen beim Gründen und wachsen begleitet, ein paar davon auch als Mitglied des Teams. Was mir immer wieder aufgefallen ist, sind die dicken Egos von Teammitgliedern.

Klar, auch meins. Denn auch ich hatte oft das Gefühl, dass ich die einzige im Raum bin, die die richtige Antwort kennt. Es wird in Meetings viel diskutiert, oft bis eine(r) recht hat.

Innovation richtet sich nach dem aus, was der Markt verlangt, runtergebrochen wird eher in Excel-Tabellen, OKRs und Forecasts als in Bauchgefühlen.

Menschlichkeit kommt oft zu kurz oder hat da erst gar nichts zu suchen.


Das hat ja auch eine ganze Zeit lang ziemlich gut funktioniert und tut es auch heute.

Doch wenn Zeiten sich ändern, Generationen nachwachsen, die Sinn statt Profit suchen und Themen wie Achtsamkeit und Spiritualität keine Nischenthemen mehr sind - braucht's neue Wege, dann braucht's so etwas wie beispielsweise Co-Creation.


Was Co-Creation nicht ist


Achtung, jetzt wird's schmerzhaft für alle Mental-Fixierten unter uns, denn erstmal heißt es, das Ego zu entspannen. Wir erleben aktuell ein kollektives Burn-Out in unserer Gesellschaft, weil viele von uns diese Glaubenssätze verinnerlicht haben:


  • Ich muss wissen, wo es lang geht

  • Ich bin verantwortlich

  • Ich habe die Kontrolle


Puh, das hört sich schon nach einer Menge Last an.

Die sind wir aber bereit zu tragen, denn die größte Angst verbirgt sich genau dahinter:

Was passiert eigentlich, wenn ich das alles (wieder) loslasse?


Dann, ja dann kann Co-Creation entstehen.


Das Problem mit der Objektifizierung


Um zu erklären, wie es dazu gekommen ist, dass wir alles kontrollieren wollen, gehen wir kurz zurück - in unsere Kindertage. Denn Babys sind noch voll mit allem verbunden, was wir später dann verlieren und wieder zu finden versuchen. Oft sind wir ein ganzes Leben damit beschäftigt, durch Persönlichkeitsentwicklung wieder dort hin zu kommen:

  • subjektiv

  • offen

  • voller Vertrauen

  • unbewusst co-creativ

  • leben aller Gefühle

  • sind verbunden

Danach kommt es zu einem Prozess, den der Hirnforscher Dr. Gerald Hüther in seinen Büchern ausführlich beschreibt - zur Objektifizierung.


Durch Schule und Erziehung werden wir vom Subjekt zum Objekt.

Wir tun, was andere von uns verlangen. Oft auch ohne, dass wir wirklich eingestimmt haben, lassen wir uns von anderen objektifizieren. Und wir tun es auch selbst.


Ob du jemand anderen objektifizierst, kannst du einfach herausfinden.

Es ist dieser Gedankengang "Was will ich gerade von diesem Menschen?"

Dadurch mache ich ihn zum Objekt.

Mein Chef ist der, der mir das Geld zu zahlen hat, meine Partnerin ist die, die mich glücklich machen soll und meine Freunde sind die, die immer zuhören müssen.


Bäm! Das passiert in Partnerschaften, Freundschaften, Arbeitsverhältnissen. Einfach überall...

Das ist so normal in unserer Gesellschaft geworden, dass man vielleicht erstmal denkt, dass das gar nicht so schlimm ist. Letztlich beruhen viele unserer Systeme wie die Wirtschaft alleine darauf, Menschen zu einem Objekt zu machen. Wir alle machen das. Jeden Tag. Heftig, oder?


Deshalb ist es wichtig, dieses Prinzip zu kennen.

Denn Co-Creation gelingt nur mit Subjekten, nicht durch Objektifizierung, wie wir das gewöhnt sind.


Gerade sogenannte "Macher" neigen dazu, in ihren Teams oder Firmen Menschen anzuziehen, die sich gerne objektifizieren lassen, um ihren Erfolg voran zu treiben.


Geschichtlich gesehen haben wir zunächst begonnen, in Konkurrenz zueinander zu leben (Ausbeutung).

Dann haben wir uns für Kooperation entschieden. Doch dieses System ist auf Dauer zu starr für die aktuellen Herausforderungen in unserer Welt. Deshalb nun also die Co-Creation, die uns aber dazu zwingt, uns wirklich offen hinzugeben, unsere Egos zu entspannen und in ein gemeinsames Schöpfungsfeld einzutauchen.



Um Co-Creation zuzulassen, müssen wir uns selbst und den anderen zum Subjekt machen. Alle Egos entspannen sich. Ich sehe dich mit allem, was du JETZT bist und mitbringst.

Wo kann ich Co-Creation anwenden?


Überall, wo du willst.

Überall, wo Neues entsteht oder altes neu gedacht werden will.

Das kann in deiner Firma sein, in Vereinen und wann immer Menschen zusammen kommen, die gemeinsam streben, etwas oder sich zu entwickeln.


Die Co-Creation, die ich hier beschreibe, ist ganzheitlich. Sie beinhaltet also Körper, Geist und Seele. Nicht in allen Räumen lässt sich so arbeiten, das ist klar.

Aber der Grundgedanke setzt auch dort Samen, wo gerade noch wenig Wasser fließt.

Also lass dich nicht entmutigen, wenn du dir co-creative Prozesse in deiner Firma gerade nicht vorstellen kannst. Dafür gibt's vielleicht in deinem Privatleben Gruppen, mit denen das gelingen kann.


Was ist Co-Creation?


Kurz zusammengefasst sind diese Kriterien die Voraussetzung:


  • Wir entspannen unsere EGOS

  • Wir entspannen uns in unser gemeinsam geteiltes Feld aller Anwesenden

  • Wie empfangen gemeinsam die beste (angemessene, authentische) Lösung


Klingt zu abgefahren?

Oder total logisch?

Je nach dem, wo jeder Mensch gerade in seinen Erfahrungen steht, kann das verwirren.

Deshalb erstmal weiterlesen, wenn das bei dir so sein sollte, es wird sich aufklären und praktischer erklärt, keine Sorge.


Alles beginnt mit Präsenz



Wann immer du dich triffst, um Co-Creation zu betreiben, ist Präsenz der Schlüssel.

Beginne immer mit einer Check-In Runde. Dort wird radikal offen geteilt, wie es jeder Person gerade geht, was sie umtreibt, was sie potentiell emotional gerade gefangen hält.

Die anderen hören zu und sagen nichts.

Jede teilnehmende Person beendet dieses ehrliche Check-in mit

"Ich bin jetzt HIER mit EUCH." und schafft Präsenz.


Dieser Prozess klingt simpel und ist dennoch oft herausfordernd.

Wir sind es gewohnt, uns selbst zurückzunehmen, gerade in Meetings, gerade was unser Inneres betrifft.

Doch genau diese Offenheit ist wichtig. Dann wissen wir nämlich, warum jemand gerade gereizt reagieren könnte, abwesend wirkt etc. Außerdem schafft diese Ehrlichkeit gleich ein Feld der Resonanz.


Resonanz aufbauen


Um gemeinsam eine Vision aufzubauen, bringt es nichts, einfach nur Egos nebeneinander aufzubauen und die Ellenbogen auszufahren um los zu marschieren.

Teams, die in Resonanz sind, können ganz anders miteinander agieren.


In Resonanz zu gehen heißt übrigens nicht, einfach nur Händchen halten und friedlich sein. Im Gegenteil. Ein großer Teil von Resonanz liegt darin, zurückgehaltene Botschaften auszusprechen.

Hindernisse schnell und ehrlich aus dem Weg zu schaffen.



Eine Übung hierfür kann sein:

  1. Im Kreis sitzen

  2. In Resonanz gehen, sich voll aufeinander und auf das was passiert einlassen

  3. Den Mut haben, sich herzugeben

  4. Zurückgehaltene Botschaften an eine Person oder das Team aussprechen

  5. Gegenüber sagt nur "DANKE" und erklärt sich nicht


(Anm: Zurückgehaltene Botschaften sind Dinge, die du über jemand anderen denkst und dich nicht getraut hast, auszusprechen. In dieser Übung kannst du das offen tun ohne dass Streit oder Rechtfertigung droht.

Wichtig ist dabei fair zu bleiben und "Ich-Botschaften" zu nutzen. "Ich fühle...ich empfinde...etc.))


Switch yourself - From Ego to Higher self


Stell dir ein Strichmännchen vor.

Das bist du.

Links von dir ist dein begrenztes Ego.

Rechts dein freies Selbst.

Und du hättest einen Schalter mit dem du zwischen beiden immer switchen kannst.


Dein begrenztes Ego kennst du ganz gut, es erzählt dir jede Menge Urteile über dich und andere, möchte alles kontrollieren und einen Plan haben, legt sich gerne auch mal an.


Dein freies Selbst kennst du aus der Meditation, aus Träumen, aus Flow-Zuständen, vielleicht von einem Pilz-Trip oder anderen Halluzinogenen oder schlichtweg weil du erleuchtet bist. Dann brauchst du aber auch keine Co-Creations-Beiträge mehr zu lesen, echt mal.


Nun kannst du switchen. Jeder kann das.

Kennst du das Gefühl, wenn du voll gedankenverloren auf der Autobahn fährst und irgendwann feststellst, dass du in einen Automatikmodus geswitched bist? Du gar nicht weißt, wer gerade gefahren ist?

Dein Ego ist gefahren und du warst in deinem Higher Self.

Ins Ego switchen muss eigentlich kaum jemand. Außer man war vorher im Higher-Self ;-)

Aber wenn wir uns in unser Ego entspannen (stell dir einfach bildlich vor, du legst dein Ego mal eben in eine Hängematte, wahlweise einen guten Cocktail oder was anderes in die Hand und bittest es, sich voll zu entspannen), können wir sehr schnell in dieses Freie Selbst gehen.


Diesen Switch hin und her zu perfektionieren, ist eine ziemliche Aufgabe. Aber sie ermöglicht es uns beispielsweise bei Innovationsprozessen wichtige Parts des Egos (Bedenken, Erfahrungen) mit denen des Freien Selbst (Intuition, Empfangen von richtigen Ideen) zu kombinieren. Wie cool ist das denn? So einfach einen Lichtschalter in uns zu betätigen und PENG, 360 Grad und mehr eröffnen sich.


Ein paar formale Kriterien für Co-Creation


Für Co-Creation zur Entwicklung neuer Ideen sollten es mind 3 Menschen sein, optimal sind Gruppen bis zu 5 Menschen, danach wird's schon schwieriger und die Gruppen sollten geteilt werden.


Folgende Punkte sind für alle Teilnehmenden verpflichtend:


Vertraulichkeit

Verbindlichkeit

Pünktlichkeit


Folgende Rollen können (jedes Treffen wechseln) besetzt werden:


Moderator*in

(Ist verantwortlich für den Einstieg und die Resonanz)

Time Keeper*in

(neutrale Unterbrechung durch festgelegte Redezeiten)

Hüter*in des Herzens

(Atmosphäre, leibliches Wohl, Pausen, Situationen auflockern)

Schriftführer*in

(nimmt Meeting ggf auf, verteilt Informationen danach)



Also, bis hierhin nochmal zusammengefasst:


  • Teams und Systeme können durch Co-Creation neue Visionen verwirklichen

  • Loslassen des Egos ist Grundvoraussetzung

  • Wir schaffen ein gemeinsames Resonanz-Feld

  • Wir teilen zurückgehaltene Botschaften und räumen schnell und ehrlich Hindernisse aus dem Weg

  • Wir switchen zwischen Ego und freiem Selbst

  • Wir haben feste Rollen und Verpflichtungen


Co-Creation ist die bewusste Einstimung auf Geist, Natur, deine wahre Essenz und die der anderen. Dadurch können wir völlig neue Lösungen hervorbringen, die dem Wohle aller dienen.


TATSINN hilft Menschen und Organisationen dabei, gute Entscheidungen zu treffen, neue Perspektiven einzunehmen und Potential zu entfalten. Wenn du oder die Organisation, für die du arbeitest, Lust auf Wachstum und einen neuen Mindstyle haben - schreib mich an und wir schauen, was wir gemeinsam erreichen können!



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