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Über Trennung und Neuanfang - ein Interview mit Astrid Bergob-Christ

Aktualisiert: 7. März 2019


Während ich in Nepal 2015 die Hilfsorganisation "Garden of Hope" aufbaute, habe ich online enormen Zuspruch erhalten, vor allem von Menschen, die ich gar nicht persönlich kannte. Eine von ihnen ist Astrid Bergob-Christ. Als Astrid sich in einem langen Facebook Video öffnete und von ihrer Trennung nach über 20 Jahren Ehe und einem Neuanfang berichtete, wurde ich neugierig. Ich habe Astrid immer so engagiert und aktiv wahrgenommen und war gespannt, wie sie mit dieser Krise umgeht.


Liebe Astrid, du hast ein bewegtes Jahr 2018 hinter dir - was ist passiert und wie geht es dir heute?


Im Oktober 2017 hat mein Mann sich nach 21jähriger Ehe von mir getrennt nachdem er eine andere Frau gesucht und gefunden hat. Wir waren erst eineinhalb Jahr vorher in unser neu gebautes großes Haus in Düsseldorf gezogen. Sehr großzügig und luxuriös gebaut. Viel Platz auf fast 200 Quadratmetern Wohnfläche. In der Nähe von einem kleinen Schloss im Süden von Düsseldorf.


Nach außen erschien unser Leben perfekt

Nach außen hin schien alles perfekt. Nur unsere Ehe war schon lange nicht mehr perfekt und harmonisch. Etwas Perfektes gibt es wahrscheinlich nie und ist auch nicht so wichtig. Wir hatten beide viel Zeit und Energie in die lange Planung, den Bau, die moderne Ausstattung und die Einrichtung unseres Hauses gesteckt. Dabei war noch mehr als schon die Jahre zuvor die Nähe zueinander immer mehr verloren gegangen.

Wir hatten uns in ganz andere Richtungen entwickelt. Uns waren andere Dinge und Werte inzwischen wichtig.


Eine romantische, gefühlvolle Liebe so wie ich sie mir gewünscht habe, gab es schon lange nicht mehr zwischen uns. Wir lebten schon ein paar Jahre eher wie in einer Wohngemeinschaft zusammen. Wie Freunde. Obwohl selbst Freunde mehr gemeinsam haben.

Dennoch wollten wir unserer vor neun Jahren und zum Zeitpunkt der Trennung 10 Jahre alten aus Äthiopien adoptierten Tochter ein gutes und schönes Zuhause schaffen und es weiterhin versuchen, als Familie zusammen zu leben. So dachte ich das zumindest.

Bis mein Mann anfing, online eine andere Frau zu suchen. Leider half auch ein Paar-Coaching da nicht weiter. Wir hatten uns zu sehr auseinander gelebt und in ganz andere Richtungen entwickelt.

Ich nahm an Seminaren zur Persönlichkeitsentwicklung teil, machte therapeutische und Coaching-Ausbildungen, beschäftigte mich mit NLP und Entspannungsmethoden und ganzheitlicher Gesundheit.

Er war ganz oft wegen seinem anspruchsvollen Job im Ausland. Ich hatte vor einiger Zeit noch oft und dann immer weniger meine Wünsche geäußert. Immer war ihm etwas anderes wichtiger oder wahrscheinlich war die Realität so, dass ich ihm nicht mehr wichtig war und dass daher kein oder kaum noch Interesse mehr an gemeinsamen Dingen vorhanden war.

Als er mir dann im Oktober 2017 verkündete, dass er eine sofortige räumliche Trennung will, war es zwar absehbar aber dennoch schwer für mich zu fassen. So viele Jahre hatten wir unser Leben gemeinsam verbracht. Viel Schönes erlebt, tolle Reisen unternommen auch wenn wir in den letzten Jahren nicht immer harmonische Zeiten gehabt hatten.


Ich akzeptierte vielleicht zu schnell diesen Wunsch von meinem bald Ex-Mann und zog in das Haus von meinem besten Freund ganz in der Nähe von meinem Haus.

Vieles machten wir wie eine Familie gemeinsam.

Wir teilen zwei aus dem Ausland gerettete Hunde miteinander. Mein Mann hatte nie meine große Tierliebe mit mir geteilt. In Dietgers Haus fanden meine Tochter und ich erst einmal für ein paar Monate Asyl.






Seit Jahren fühlten wir uns dort auch schon zu Hause und gingen da ein und aus. Ich merkte dennoch nach und nach, dass ich wieder mein eigenes Reich brauchte und machte mich auf die Suche nach einer Wohnung für meine Tochter und mich, die zu der Zeit überwiegend bei mir war, da mein Mann die Wochenenden mit seiner Freundin verbrachte und ich noch nicht sofort bereit war, dass sie sich gemeinsam mit unserer Tochter sehen.




Es hat ein paar Monate gedauert, bis wir eine hübsche kleine Wohnung gefunden hatten. Genau so wie ich sie mir gewünscht hatte. Aus dem großen Luxushaus heraus eine eine kleine, 48 Quadratmeter große 2-Zimmer-Wohnung. Schon länger interessierte ich mich für Minimalismus.

War jedoch nicht wirklich darauf vorbereitet, dies auf diese Art zu erleben.


Eine Krise ist auch immer ein Transformationsgeschenk zu einem neuen Ich - in welchen Dingen hast du beobachten können, dass du eine “neue” Astrid geworden bist?


Ich habe viele Dinge erfahren und gelernt. Zum Beispiel, dass es keinen Sinn macht, jemand anderen ändern zu wollen oder sich das zu wünschen. Das ist nicht möglich und bringt nur Leid.

Ich musste sehr lange um einen fairen Unterhalt für mich und unsere Tochter kämpfen und das dauert bis heute an. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass das so lange dauern würde und dass ein Mensch, mit dem ich über 20 Jahre zusammen war, mich so lange im Ungewissen lassen würde.

Mir ist klargeworden, dass ich niemals mehr finanziell von einem Mann abhängig sein möchte. Ich habe gelernt, dass ich von außen keine Sicherheit bekommen kann. Dass ich diese selbst in mir entstehen lassen darf. Auch dass ich meine Selbstliebe noch mehr entwickeln darf. Nur, wenn ich mich selbst absolut und bedingungslos liebe, dann werde ich die Chance haben, einen Partner in mein Leben zu ziehen, der mich auch so lieben kann wie ich bin.

Kleine Schritte auf dem Weg zu noch mehr Selbstliebe hat mir auch die wunderbare Yogalehrerin Linda mit Personal Coaching gezeigt.Wir haben drei Videos aufgezeichnet mit Übungen, die sie speziell für mich zusammen gestellt hat.

Mein Ziel ist, fünf Mal in der Woche für 15 Minuten diese Yoga-Übungen zu praktizieren, die mich bei noch mehr körperlicher und geistiger Beweglichkeit unterstützen und auch das weitere Loslassen von Dingen und Menschen fördern, von denen ich loslassen möchte.




Mehrmals hatte ich vor der Trennung überlegt, wie es wäre alleine zu leben und immer hatte mich die Angst vor dem Alleinsein davor zurück gehalten, den ersten Schritt in Richtung Trennung zu gehen.

Nun lebe ich seit August letzten Jahres alleine mit meiner Tochter, die ungefähr die Hälfte der Woche bei mir ist und ich merke, dass ich es immer besser schaffe, alleine zu sein. Das gelingt mir noch nicht immer und ich unternehme auch viel. In den Gospelchor, in dem ich einige Jahre gesungen habe und pausiert hatte, bin ich vor kurzem wieder eingetreten. Es macht mir viel Freude, in einer wunderbaren, positiven Chor-Gemeinschaft berührende oder schwungvolle Lieder zu singen. Ich merke jetzt erst, wie ich das Singen vermisst habe. Es macht mich glücklich und das ist ein gutes Gefühl. Auch wenn man mit Spaß Benefiz-Konzerte für gute Zwecke geben kann.

Auch nehme ich seit langer Zeit wieder an einem Tanzkurs teil. Ein guter Freund begleitet mich.

Ich habe angefangen, über die App 7Mind möglichst täglich zu meditieren.

Das zur täglichen Routine wie Zähneputzen zu machen ist mein Ziel. Wenn ich das mache und alle elektronischen Geräte abschalte und mich nur auf diese wohltuende Meditation konzentriere, die auch dabei hilft, den eigenen Körper wieder mehr wahrzunehmen, dann spüre ich wie gut dies Körper, Seele und Geist tut. Ich möchte noch mehr Gelassenheit und innere Stärke entwickeln. Auch wenn ich dies Schritt für Schritt immer mehr schon schaffe.


Was hat dir geholfen in den Zeiten, die besonders schmerzhaft waren?


Mir haben gute Freunde sehr geholfen. Ich bin dankbar, so viele gute Freundinnen und Freunde zu haben, die nicht genervt waren auch wenn ich zum wiederholten Male in nicht so guter Stimmung anrief und diese mich auch mal jammern ließen und versuchten, mir mit Rat beizustehen oder einfach nur geduldig zuhörten.

Auch der Rat meiner ganzheitlichen Familienanwältin Sylvia Schodruch, wenn ich schwere Phasen hatte mit Stimmungsschwankungen, dass ich einfach durchhalten soll.

Ich bin dankbar, eine so außergewöhnliche Anwältin gefunden zu haben, die mir nicht nur in rechtlichen Dingen zur Seite steht sondern auch durch persönliches Coaching hilft, dass ich mich privat und auch beruflich noch besser entwickeln und entscheiden kann.


Ihr Online-Kurs „Glückliche Trennungskinder“ hat mich sehr viel weiter gebracht Dinge anders zu sehen.

Nicht in einer Opferrolle zu sein sondern selbst die Verantwortung für mein Leben zu übernehmen. Für meine Entscheidungen.

Ein guter Tipp, den ich auch von meiner Anwältin bekommen habe, ist täglich ein

Dankbarkeitstagebuch zu schreiben. Auch wenn ich es noch nicht jeden Tag schaffe. In Momenten wo es mir nicht so gut geht, schaue ich mit Freude in mein Dankbarkeitstagebuch und lese viele wertvolle, schöne Erlebnisse, habe wunderbare Erinnerungen, für die ich sehr dankbar bin. Diese wirken dann wie ein positiver Anker.

Auch wenn es in manchen Momenten einfach nichts gab, was mir konkret helfen konnte. Einfach der Gedanke, ich halte jetzt diesen einsamen Abend alleine bei mir zu Hause aus, lasse meine Tränen einfach raus und am nächsten Tag wird es schon wieder besser gehen ließ mich diese Abende überstehen. „Weinen ist wie duschen für die Seele.“ Manchmal habe ich meine Seele gut geduscht.

Die verschiedenen Veranstaltungen und meine Mitarbeit in unserem interkulturellen Verein „Mosaik e. V.“ und die großartigen Menschen dort haben meiner Tochter und mir auch immer wieder viel Freude gemacht.

Gut getan hat auch das Walken mit einer Freundin. In den Wald gehen mit meinen Hunden, Verbindung zur Natur, die mir Kraft gibt.


Sonnenschein, blauer Himmel, mit einer Freundin zusammen in einem Café arbeiten und sich austauschen oder mit einem guten Freund zusammen co-worken. Mit Freunden und meiner Tochter zusammen kochen.

Besondere Zeit, schöne Momente und Spaß zu haben mit meiner Tochter, eine USA-Reise in den Sommerferien letztes Jahr zu einer Familie, die auch ein Kind aus Äthiopien adoptiert hatten.



Ein sehr liebenswerter Mensch an meiner Seite seit einem halben Jahr, auch wenn ich für ihn vielleicht nicht die große Liebe bin, hat mir sehr gut getan und meiner Tochter und mir geholfen mit vielen Dingen in der Wohnung und wir haben schöne Dinge unternommen, schöne, wertvolle Momente erlebt zusammen.


Das Audio Buch „Zum Buddha werden in 5 Wochen“hat mir auch sehr geholfen. In diesem Hörbuch geht es um das Loslassen von Dingen und Menschen oder Situationen, die man nicht verändern kann, um Leid was die Anhaftung schafft, zu verhindern.

Was mir auch sehr geholfen hat und wenn ich mal trübsinnig war, meistens meine Gedanken wieder auf positive, konstruktive Dinge gelenkt hat, waren verschiedene Podcasts für positive, erfolgreiche Lebensgestaltung und Persönlichkeitsentwicklung.

Kann man wunderbar unterwegs in öffentlichen Verkehrsmitteln hören oder zu Hause bei der Hausarbeit oder wenn man es sich mit einer Tasse Tee gemütlich macht.

Verschiedene Tools, die ich selbst in Ausbildungen der letzten Jahre mir angeeignet hatte, waren auch eine große Hilfe, wie Methoden aus der kognitiven Verhaltenstherapie um die Gedanken in eine konstruktive, gesunde Richtung zu lenken, sich wieder besser zu fühlen und aus einem negativen Gedankenkarussell heraus zu kommen. Sich Gedanken bewusst zu machen und versuchen, nicht alle Gedanken so wichtig zu nehmen. Autogenes Training, bewusstes Atmen. Bewusst im Hier und Jetzt sein. Schöne Momente genießen ohne sich Sorgen um die Zukunft zu machen. All dies ist hilfreich, sich besser zu fühlen.


Welche Fragen stellt man sich, wenn man ein neues Leben nach einer langen Beziehung geführt hat wirklich eindringlich? 


Warum bin ich so lange in einer Ehe geblieben, die mich schon lange nicht mehr glücklich gemacht hat?

Warum hatte ich nicht selbst die Stärke, die Trennung auszusprechen?

Warum bin ich so schnell aus dem Haus ausgezogen und habe dem Wunsch meines Mannes damit entsprochen, obwohl meine finanzielle Sicherheit, mein Unterhalt noch nicht geklärt war, obgleich ich ihm lange Zeit den Rücken für seine berufliche Karriere gestärkt hatte?

Wie müssen die Werte und der Charakter des Mannes sein, vor allem welche Gefühlsebene ist mir wichtig, einer neuen großen Liebe, auf die ich hoffe, mit dem Mann mit dem ich in Zukunft gerne mein Leben verbringen möchte?

Was ist meine Bestimmung, meine Berufung?

Was will ich auf jeden Fall noch erleben in meinem Leben?


Habe erst vor kurzem nach einem Podcast von Ernst Crameri eine Bucket List geschrieben (eine Löffellsite) mit all den Dingen, die ich aus jetziger Sicht noch erleben möchte bevor ich sterbe.


Was hast du über die Liebe gelernt?


Liebe kann man nicht erzwingen. Sie ist wie die Gedanken auch frei und freiwillig. Man sollte keine Erwartungen an einen anderen Menschen haben und nicht hoffen, dass er oder sie sich ändert. Liebe sollte bedingungslos sein.

Wie triffst du Entscheidungen für dein Leben? Hast du eine bestimmte Strategie?


Ich höre auf mein Gefühl, auf mein Herz aber versuche auch etwas mehr auf meinen Verstand zu hören.


Deine Geschichte wird nun auch deine berufliche Mission, wie genau möchtest du Menschen in Zukunft unterstützen?


Ich helfe Frauen, die sich nach einer langen Ehe oder Beziehung nun in der Trennungsphase befinden, dabei, die Vergangenheit loszulassen, um jetzt ein glückliches, selbstbestimmtes und unabhängiges Leben in Frieden mit sich selbst zu führen ohne dass sie sich einsam und verlassen fühlen und nicht mehr in einem schädlichen Gedankenkarussell gefangen sind.

Um mit neuem Vertrauen und Zuversicht ein positives, konstruktives Leben zu führen.

Ich möchte gerne persönliches Coaching in Düsseldorf anbieten. Auch für die Frauen, die weiter weg wohnen, persönliches, individuelles Coaching per Zoom oder Skype. Einzeln und in einer kleinen, intensiven Gruppe.

Zu meinem Coaching sollen mindestens ein Workshop gehören, den ich zusammen mit einer Freundin, der Yogalehrerin Linda Verstappen in der schönen, grünen Eifel anbieten möchte.



Spannend! Wie fühlt sich der Schritt in die Selbstständigkeit für dich an?


Aufregend. Ich habe viele Pläne und Ziele. Große Vorbilder. Coaches, von denen ich schon viel gelernt habe und viele Ausbildungen absolviert, Seminare besucht, Coaching- und Business- und Online Marketing-Kongresse besucht.

Es kostet mich natürlich weiterhin Mut, meine Pläne auch umzusetzen. Mich immer mehr zu zeigen.

Mich sichtbar zu machen. Ganz persönlich mit meiner Geschichte. Auch in den sozialen Medien.

Wenn man sich sichtbar macht und über private Dinge berichtet, macht man sich auch verletzbar durch Kritik, die kommen kann. Damit werde ich umgehen können.


Ich habe mich kurz vor Silvester 2018 nun getraut, zum ersten Mal sogar für 40 Minuten auf Facebook live über meine Geschichte und über meine Pläne zu sprechen. Ich bin dankbar, dass ich viel positives Feedback bekommen habe. Es hat mir trotz anfänglichem Lampenfieber viel Freude gemacht, einige Dinge zu erzählen und ein paar sehr nette Zuschauerinnen und Zuschauer zu haben, die mich positiv motiviert hatten.

Ich möchte gerne ab und zu weiterhin Videos für meinen kleinen in 2016 bereits gestarteten YouTube-Kanal „Astrid macht Mut“ machen und mein Traum ist, dieses Jahr einen Podcast an den Start zu bringen.



Hier kannst du Astrid folgen:


Danke, liebe Astrid, für deine Offenheit und ganz viel Erfolg für den Start in dein neues Leben & Business!


TATSINN ist ganzheitliche Begleitung & Consulting für Mensch & Unternehmen. Perspektivwechsel und Entscheidungshilfe. In Berlin & weltweit per Skype mit der Potentialentwicklerin Ann-Carolin Helmreich-

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