• Jule Fröhlich

Psychedelic Breath ausprobiert: Meditation mit berauschendem Tiefgang

Zuerst flutet eine Gänsehaut deinen Körper, dann siehst du nur Dunkelheit, bist ganz in dir und deinem Körper. Irgendwann bist du nicht mehr Teil des Kissens, auf dem du gerade sitzt. Du bist auch nicht mehr irgendjemand mit To-Do-Listen, Terminen und Aufgaben - du bist einfach eine Schwingung im ewigen Jetzt. Und dann kommt es vor, dass du nur noch aus Liebe und Ewigkeit bestehst. Dir laufen Tränen über die Wange weil dieses Glück, diese Dankbarkeit einfach nicht in deinen Körper reinpassen, ein Ventil benötigen. Und so kommt es, dass dein Kopf ganz offen wird, du scheinst innen und außen, und plötzlich kommt da ein Bild von jemandem. Und dieses Bild verändert dich.

So war es bei mir, nachdem ich zum vierten Mal eine sogenannte Psychedelic-Breath-Meditation durchgeführt habe. Von speziellen Atem-Techniken beim Meditieren hatte ich schon viel gehört und so richtig tief wollte mein Geist nie abtauchen, wenn ich beispielsweise geführte Meditationen von Joe Dispenza ausprobiert habe. Dispenza beschreibt in seinen Büchern, die ich dir bereits in diesem Beitrag ans Herz gelegt habe, sehr ausführlich, wie man effektiv meditieren kann. Er bietet auf dem deutschen Markt sogar geführte Meditationen in deutscher Sprache an – die Umsetzung hat mich leider immer aus der Meditation gerissen. Ich fand einzelne Wörter skurril ausgesprochen, hörte die Atmung des Sprechers – kurzum: Ich hatte bis dahin noch nicht so wirklich "meine" Meditation gefunden.


Dabei ist das Meditieren sehr wichtig für mich. Nur mit erhöhter Gehirnwellenfrequenz im Alpha-Bereich sind Menschen in der Lage, ihr Leben und ihre alten Gewohnheiten und Überzeugungen im Unterbewusstsein zu überwinden und die Richtung in ein neues, unbekanntes Leben einzuschlagen. Das Meditieren gehört so sehr zu positiven Glaubenssätzen, wie Wasser in den Körper. Umso mehr habe ich mich in der Vergangenheit geärgert, dass ich irgendwie nicht so tief abdriftete, irgendwie nicht das Feld um mein Herz spüre oder den Bereich über meinem Kopf, der das Tor zur "Ewigkeit" öffnen kann. Über das Atmen bei der Meditation hatte ich mir nie große Gedanken gemacht, ein großer Fehler.


Psychedelic Breath: Die Mischung macht's


Psychedelic Breath – das ist eine Atemtechnik der deutschen Psychologin Eva Kaczor. Entdeckt hatte ich sie eines Abends per Zufall über YouTube – eine Dokumentation mit dem vielversprechenden Titel "High ohne Drogen" zog mein Interesse sofort auf sich. Beim Ansehen der Bilder war mir sofort klar, dass es sich hier um eine ausgereifte Meditationsübung handelt. Nichts für Menschen, die nicht aus sich rausgehen können, denn nicht selten fühlen sich die ersten Versuche an wie ein Geburtsvorbereitungskurs. Es wird geatmet und gehechelt, was das Zeug hält. Nachdem der Reporter der Dokumentation so begeistert von Eva Kaczor und ihren Seminaren berichtete, ging ich auf die Jagd nach mehr. Glücklicherweise fand ich ein 45-minütiges YouTube-Video, in dem die Therapeutin eine geführte Psychedelic-Breath-Sitzung auf einem Festival durchführt. Noch am selben Abend probierte ich es aus.

Eva Kaczor hat dabei das Rad nicht neu erfunden – das betont sie in diversen Interviews auch. Vor allem im Yoga-Bereich wird großer Wert auf eine ideale Atemtechnik gelegt. Bauchatmung, sanfte Atmung, Atembeobachtung oder Box Breathing – über die unterschiedlichen Begriffe gibt es im Netz einiges nachzulesen. Eva Kaczor gelang es, zwei sehr interessante Atem-Techniken miteinander zu verbinden. Psychedelic Breath basiert zum einen auf dem sogenannten Box Breathing: Vier Sekunden einatmen, vier Sekunden halten, vier Sekunden ausatmen, vier Sekunden halten. Die auch unter dem Namen "Vier-Quadrat-Atmung" bekannte Technik soll durch die kontrollierte Tiefatmung das Nervensystem beruhigen und wichtige Körperfunktionen wie Blutdruck oder Herzschlag regulieren. Box Breathing kann Schlafstörungen entgegenwirken und Stress abbauen. Ideale Voraussetzungen also, diese Technik in der täglichen Meditation zu integrieren.


Das dachte sich auch Eva Kaczor, die ebenfalls als Yoga-Lehrerin tätig ist, und kombinierte die lange Tiefatmung mit ihrem genauen Gegenteil: beschleunigtes vertieftes Atmen, auch als Holotropes Atmen bekannt. Diese Technik gleicht dem Hyperventilieren und wird auch in der Psychotherapie zur Überwindung von Blockaden eingesetzt. Die schnelle Atmung sorgt für ein Ungleichgewicht des Säuren-Base-Haushalts im Körper in Richtung basisch – weniger Kohlendioxid wird aufgenommen, es kommt zu einer verminderten Durchblutung des Gehirns. Was sich ungesund anhört, ist in einem gewissen Rahmen für gesunde Menschen völlig harmlos. Wer unter Epilepsie oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Bluthochdruck leidet, sollte allerdings aufpassen und die Übungen sanfter angehen (Betroffene sollten unbedingt vorher mit ihrem Arzt sprechen!).


Psychedelic Breath schafft die perfekte Kombination aus beiden Atemtechniken. Das Besondere an der Atemmeditation ist die auf die wechselhafte Atmung angepasste Elektro-Musik, die Kaczor mit ausgewählten DJs extra für Festivals oder andere spirituelle Veranstaltungen und Seminare entwickelt hat. Auf schnelle Beats folgen sanfte, beruhigende Klänge. Wobei die schnelle Musik dazu einlädt, den sogenannten Zyklus zu nehmen – das Hyperventilieren. Wird die Musik dann ruhiger, atmet man einmal tief ein und dann aus. Dann wird eine ganze Zeit lang nicht geatmet, bis man einatmet und den Atem bei sich hält, bis der nächste wilde Zyklus beginnt.

Was macht Psychedelic Breath beim Meditieren mit mir?


Ich habe durch diese Technik mehrere Dinge erfahren, die sehr praktisch sind, wenn man nicht wirklich in tiefe Meditationen kommen kann. Zum einen ist man durch die geführte Wechsel-Atmung die ganze Zeit mit "etwas" beschäftigt und kann überhaupt nicht über Termine, das Abendessen oder sonstige Störfaktoren des Alltags nachdenken. Das hilft ungemein, sich fallen lassen zu können, und abzutauchen. Zum anderen kommt man tatsächlich sehr schnell in Trancezustände und verliert seinen Körper. Als ich die geführte YouTube-Session mit Eva Kaczor gemacht habe, spürte ich erst relativ weit am Ende der Session etwas: Tiefe Liebe, Glück. Aber ich war nicht weggetreten oder "offen". Ich hatte große Probleme, mir vorzustellen, der Atem ginge direkt in mein Herz, was für ein blockiertes Herzchakra spricht (Das Problem war mir bekannt) – dementsprechend stockte die Energie hier und der Bereich über meinem Kopf, das Kronenchakra, blieb ebenso verschlossen. Ich habe relativ schnell herausgefunden, woran es lag: Die YouTube-Session ist relativ kurz und die englische Sprache will mein Unterbewusstsein nicht so recht als entspannend annehmen, obwohl Kaczor sehr angenehm, klar und verständlich spricht. Auch ihr Mitatmen in der Aufnahme brachte mich regelmäßig aus meinem persönlichen Takt. Deshalb bin ich mehr als überglücklich, ihren Sound-Cloud-Kanal entdeckt zu haben. Hier hat die Psychologin Playlisten veröffentlicht mit sehr langen Stücken, die perfekt auf die Atmung während einer Psychedelic-Breath-Sitzung abgestimmt sind.


Psychedelic Breath sollte im Sitzen durchgeführt werden - die "Gefahr", am Ende vor lauter Entspannung einzuschlafen, ist sehr hoch.

So high wurde ich wirklich


Ich setzte mich im Lotussitz auf mein Bett und gab mir zum vierten Mal innerhalb einer Woche über Kopfhörer die YouTube-Session. Am Ende angelangt war ich ein wenig benebelt, legte mich hin und startete einen 60-minütigen Track aus der Sound Cloud Playlist. Überraschenderweise ist es super easy, ohne direkte Anweisungen im Takt zu atmen und genau zu spüren, wann lange Atmer kommen, wann man die Luft anhalten muss und wann das Holotrope Atmen wieder einsetzen soll. Ich spürte, wie mein ganzer Körper bebte bei jedem einzelnen Zyklus. Das Ausatmen und Halten empfand ich dann als heftigen Rausch. Ich windete mich und spürte, wie Energie endlich durch meinen gesamten Körper floss. Ich spürte, wie die Blockaden in meinem Herzchakra gelöst wurden und wie helles Licht durch meinen Kopf drang. Ich sah vor meinem inneren Auge, wie eine Art Feuerkrone auf meinem Haupt lichterloh brannte. Ein unfassbar angenehmes Gefühl. Faszinierenderweise geschah dann folgendes: Ich nahm den letzten Zyklus, spürte ihn richtig natürlich und tief in mir, dann kam der letzte Atemzug ein – wieder aus – halten. Ich war nicht mehr in meinem Körper. Ich war weg. Bis dato hatte ich weder Formen noch Bilder gesehen, nur Schwarz.


Aber dann, während ich so dalag und nicht atmete, sah ich ein kleines Mädchen mit braunen Haaren. Sofort überflutete mich ein Gefühl tiefer Liebe. So tief, dass ich völlig überwältigt war. Ich spürte eine Liebe, die ich nicht mal kenne: Die Liebe zu seinem eigenen Kind. Ich heulte laut, die Meditation war immer noch tief, die Vision präsent. Ich wusste, dass dies nicht mein zukünftiges Kind war, das ich da sah. Das Kind war ich selbst. Als Drei- oder Vierjährige. In dieser Phase meiner Kindheit herumzuwühlen, würde den Rahmen sprengen, aber ich hatte das Bedürfnis, dieses Kind zu packen, in den Arm zu nehmen, es zu drücken, zu lieben und ihm zu sagen, dass alles gut werden würde. Ich sagte diesem Mädchen, dass es niemals aufhören dürfe, an sich und seine Träume zu glauben, dass es alles sein und tun kann, woran es nur glaubte. Dann ließ ich los und heulte eine gefühlte Ewigkeit. Vor Liebe, Glück, Erleichterung. Ich tröstete mein eigenes, inneres Kind und sprach ihm Mut zu, das Leben zu nehmen, wie es kommt. Als ich nach 1,5 Stunden aufstand, war ich so benebelt wie noch nie in meinem Leben. Ich war schlapp, konnte kaum gehen. Völlige Entspannung. Ich hatte sowas wie einen Kater und interessanterweise war mein Kopf ganz "offen". Das Gefühl ist unbeschreiblich und hat danach noch zwei Stunden angehalten. Ich habe an diesem Tag nichts weitergemacht als meine Erfahrung niederzuschreiben und mein Leben entspannt zu genießen, an die positiven Dinge im Leben zu glauben.


Ich kann Psychedelic Breath jedem empfehlen, der Probleme beim Meditieren hat und auf der Suche nach völliger Leere, Möglichkeiten, Liebe und Glück ist.


Probiert es aus:

Dokumentation "High ohne Drogen"

Geführtes Psychedelic Breath

Eva Kaczors Sound-Cloud-Profil

Auf der Webseite von Eva Kaczor findet ihr zudem Termine und Orte, an denen ihr an einer Live-Session teilnehmen könnt.


Hast du eine Lieblings-Meditationstechnik oder Tipps und Tricks für völlige Entspannung? Lass es uns und die Welt wissen :)

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