Warum empören wir uns so gerne? Gefühle verstehen lernen

Deutschland, einig Empörungsland. Empörungswellen in Social Media.

Empörung über die Chefin.

Empörung über den Kollegen.

Empörung über Corona-Maßnahmen.

Empörung über Wahlergebnisse.

Empörung über den Rechtsruck. Empörung über Entscheidungen.


Warum empören wir uns so gerne?

Was steckt hinter dem Gefühl?


Empörung tritt meist nicht alleine auf, sondern sucht sich Unterstützung. Wahlweise von Aufgebrachtsein, Fassungslosigkeit, Wut, Ohnmacht und Ungerechtigkeit.

So entsteht ein großer mächtiger Ball, der sich wellenförmig in meinem Körper ausbreitet und

langsam aber sicher Richtung Mund steuert.


"Wie können die nur?"

"Dazu fällt mir jetzt nichts mehr ein"

"Das ist eine himmelschreiende Ungerechtigkeit"

"Ich rege mich schon wieder so auf"


Kennste? Klar, kennen wir alle.


Denn Empörung empfinden wir erstmal als ein angenehmes Gefühl.

Es gibt uns die Bestätigung, dass wir etwas zu sagen haben und gehört zu werden.

Dass wir jemand sind und unsere Meinung wichtig ist.

Wir fühlen uns empört oft im Recht, groß und wichtig.


Die Empörung bläst uns regelrecht auf.

Mit ganz viel Energie.

Sie verleiht uns Schwung.


Empörung liegt eigentlich immer die Ungerechtigkeit zugrunde. Gegen sie wollen wir ankämpfen.


Das spannende an Gefühlen ist, dass sie immer eine unterschwellige Botschaft für uns haben.

Wir können uns durch unsere Gefühle sehr viel besser kennenlernen.


Bist du mit deinem Gefühl identifiziert oder fühlst du es bewusst?


Es gibt einen Unterschied zwischen

"Ich bin ängstlich" und "Ich nehme Angst wahr"


"Ich bin wütend" und "Ich nehme wahr, dass Wut in mir aufsteigt"


Zwischen "Ich bin schrecklich traurig" und

"Ich spüre, wie eine Traurigkeit in mir immer größer wird."


Du kannst achtsamer mit deinen Gefühlen umgehen, um dich besser zu verstehen.

Lerne dafür, deine Gefühle besser wahrzunehmen.


-> Lass Ruhe in dir einkehren -> Schließe die Augen

-> Konzentriere dich auf deinen Atem, deinen Körper und deine Sinneseindrücke Schau mal, wo genau in deinem Körper das Gefühl steckt. Spürst du die Wut in deinen Beinen? Oder im Bauch? Kannst du die Traurigkeit im Brustkorb spüren, oder sitzt sie in deiner Kehle? Wo genau fühlst du die Empörung? Kommt sie stark und pochend, wellenartig oder stichelnd?


Klingt verrückt, aber Gefühle sind im Körper fühlbar.

Wir nehmen sie viel zu sehr im Kopf wahr und zerdenken sie. Identifizieren uns stark mit ihnen. Dadurch verpassen wir oft die Message, die jedes Gefühl für uns bereit hält.


Bei der Empörung ist die Message meist "Ich spüre Ungerechtigkeit".

Prüfe daher genau, welches Verhältnis du mit dem Thema Ungerechtigkeit in deiner Kindheit hattest. Daher kommt der Quell deiner Empörung oft. Je mehr Verletzung in diesem Bereich vorliegt, desto wahrscheinlicher bist du im Kampf gegen Ungerechtigkeiten in der ersten Reihe.

Die Empörung und das Gefühl von Ungerechtigkeit kann viel Auftrieb geben und Taten für eine gerechtere Welt anstoßen.

Bevor wir den Schwung aus der Empörung nutzen, dürfen wir kurz prüfen, welche Art der Empörung wir eigentlich empfinden.


Wenn dich die Empörung zum Handeln treibt, stelle dir vorher diese 5 Fragen:


Ist meine Empörung logisch oder psychologisch?

Oft empören wir uns, weil es eine alte Wunde in uns gibt aus der Vergangenheit. Prüfe also, ob du dich aus logischen oder aus persönlichen (traumatischen) Gründen empörst.


Ist die Empörung mein eigenes Gefühl oder ein Fremdgefühl?

Achtung, Empörung wirkt sehr ansteckend und wir gehen gerne in eine Co-Empörung. Weil es sich eben gut anfühlt, empört über etwas zu sein. Prüfe also mal, ob es deine eigene ist, oder du auf einen Empörungszug aufgesprungen bist.


Ist die Empörung potent oder impotent?

Prüfe, was du mit deiner Aktion bewirken willst. Verändert meine Empörung wirklich etwas am status quo zum Positiven, sobald ich ihren Schwung dafür nutze? Oder suche ich ein Ventil zum Druck ablassen?


Bin ich mit dem Gefühl identifiziert oder bewusst?

Fühle ich Empörung in mir hochsteigen und kann sie wahrnehmen (bewusst) oder überwältigt sie mich und ich bin empört? Je mehr wir uns mit unseren Gefühl identifizieren, desto mehr steuern sie uns und nicht wir sie. Öffne dein Herz für die Empörung und fühl mal rein.


Wem nützt meine Empörung?

Prüfe ganz genau, ob nur du selbst einen Vorteil davon hast. Ob du mit deiner Empörung etwas fütterst, was du eigentlich gar nicht willst. Oder ob du manipuliert wirst.



Lerne, deine Gefühle zu verstehen und sie für dich und dein Anliegen zu nutzen.

Wenn du Lust hast, das gemeinsam mit TATSINN zu tun, lade ich dich zu unserem monatlichen Zoom-Circle ein. Dort besprechen wir jeden Monat ein Gefühl und lernen, wie wir am besten damit umgehen. Anmelden kannst du dich jederzeit hier.


TATSINN ist badass einfühlsame Begleitung für dein Leben und deine Berufung zu mehr Selbstbestimmung und persönlicher Freiheit.

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