Eidechsenschwänze und Katzenbabys mit drei Augen

Aktualisiert: 6. Feb.

Die Kolumne für Intros von Janine erscheint einmal im Monat und gibt euch einen Einblick in das Gehirn eines introvertierten Menschen. Sie schreibt über ihre Wut, Depression und lässt nie Humor vermissen. Janine und ich haben uns bei unserer Coaching-Ausbildung kennengelernt und sind bis heute dankbar, dass zwei Weirdos zusammengefunden haben.



 


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Aus irgendeinem Grund plätschert seit Monaten ein maximal unbefriedigendes Rinnsal aus dem Warmwasserhahn. First World Problem rede ich mir frierend unter der Dusche ein.

Andere haben gar kein Wasser.

Ich halte nichts von diesen Reinhold Messner-Erfahrungen.

Auch nichts von abgefrorenen Zehen und rufe daher einsichtig einen Klempner an.


Als er den Operationssaal betritt, fällt mir prompt wieder ein, was genau ich eigentlich vermeiden wollte.

Er jedenfalls war bereit, für ein Sanitär-Experiment, das vor ihm vermutlich noch keiner gewagt hatte.

Kein Zweifel, in meinem Hauswirtschaftsraum begegnete mir gerade einem Mischwesen aus Dr. Brinkmann und Superman.


Noch bevor ich ihm die Stirn fertig abtupfen konnte, ging er in die handwerkerübliche Vorwurfshaltung über.

Was mir konkret vorzuwerfen war, konnte er nicht sagen aber eins war ihm völlig klar: „Da muss man sich dann auch nicht wundern!“

Seine passiv aggressive Verachtung für irgendein verantwortungsloses Warmwasserheizverhalten meinerseits, gab mir kurz das Gefühl, als hätte mich mein Kind beim Kiffen erwischt.

„Ich muss dann mal was in der Küche erledigen“.


Es folgten 1,5 Stunden in denen er fluchte und staunte und schwitzte und sich Mühe gab, verzweifelt zu wirken.

Und dann bog er um die Ecke, mit einer Trophäe in der Hand.

Stolz, als hätte er sein erstes Häufchen gemacht, hielt er mir irgendein komplett vergammeltes Metalldings hin.

Wie unauffällig kann ich äääääähhh in die Länge ziehen, ohne dabei ertappt zu werden, dass mir keine situationsadäquate Reaktion einfällt. Ich will ihn in nicht enttäuschen. Offensichtlich hat er da was ganz Besonderes aus meiner Heizung geborgen. „Wooooooow. Kraaaaaaass.

Das is ja, äähh. Toll.“


Für meinen Geschmack hält er dieses verrottete Teil ein bisschen zu liebevoll, nahezu gollumesk in seinen Händen.

Wahrscheinlich traut er sich nicht zu fragen, ob er es mit nach Hause nehmen darf.


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Ich bin mir sicher, Dr. Brinkmann hat in seinem Keller hunderte Formaldehydgläser. Solche, in denen das Naturkundemuseum eigentlich Eidechsenschwänze aufbewahrt oder Katzenembryos mit drei Augen.

Nur, dass ER eben lauter krass verrottete Heizungsteile sammelt.


Ich hatte mal Scharlach.

Die Ärztin wollte ein Foto von meinem Hals machen. „Beeindruckend für die medizinische Fachwelt“, war ihr O-Ton.

Was sind das nur für Menschen, die eitrige Mandeln und rostige Heizungsdinger sammeln?


Nachdem der Austausch dieses Dings dazu führte, dass ich endlich wieder heiß duschen konnte, war ich bereit für eine Versöhnung. Ich kochte Kaffe und tupfte ein letztes Mal seine Stirn, lobte und staunte überschwänglich über das Gammelding.

Noch am selben Abend fiel die Heizung aus. Heißes Wasser: ja. Warme Heizung: nein.


Wie ich diesen Dr. Brinkmann verachte.

Quer in den Hals schieben möchte ich ihm seinen 8er Schlüssel.

Aktuell trage ich zu Hause 2-3 Paar Socken, mehrere Schals und fülle heisses Wärmflaschenwasser im 30 Minuten Takt nach. Ich rede der Heizung gut zu, schiebe alles auf den rückläufigen Merkur, rechne mir die Vorteile im Hinblick auf die Strom- und Gaskosten aus und versuche mich daran zu erinnern, ob es im März eigentlich hierzulande schon signifikant wärmer wird. Dann sind es nur noch 6 Wochen, die zu überstehen wären.


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Vielleicht gehe ich mir heute Hyazinthen kaufen, dann fühlt es sich schon ein bisschen an, wie März.

Gollum kann jedenfalls künftig anderer Leute Heizungsschrott eintuppern.

Meine Heizung darf funktionieren, wann SIE es will.

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